StärkeR - Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen im Rahmen konzeptionsgeregelter Kooperation in der Versorgung von Patienten mit entzündlichem Rheuma


Patientinnen und Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen erreichen die gesteckten Therapieziele zum Teil nicht hinreichend. Nach den aktuellen Zahlen des Memorandums der Fachgesellschaft DGRh gibt es in Deutschland zu wenig internistische Rheumatologen. Mit dem Projektvorhaben ‚Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen im Rahmen konzeptionsgeregelter Kooperation in der Versorgung von Patienten mit entzündlichem Rheuma’ soll die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen in der Rheumatologie effektiver und effizienter gestaltet werden, um die Versorgung der betroffenen Patienten zu verbessern.

Das Projekt geht von der Hypothese aus, dass qualifizierte Rheumatologische Fachassistent(inn)en (RFA) Teile der Patientenbetreuung übernehmen können. Hierfür gibt es aus persönlichen Erfahrungen von deutschen Rheumatologen und aus internationalen Erfahrungen, z.B. in den Niederlanden, klare Anhaltspunkte. Zu dem geplanten Projektvorhaben gehören eine aktualisierte Patientenschulung, die Ermittlung von Komorbiditäten und Lebensstilberatung. Das Vorhaben soll zeigen, dass RFA durch die standardisierte Erfassung von Krankheitsaktivität und Krankheitsfolgen die Behandlung durch Rheumatolog(inn)en vorbereiten, effektiv unterstützen und partiell ersetzen können. Außerdem sollen die RFA den Patientinnen und Patienten als direkte Ansprechpartner zwischen den Untersuchungsterminen in der Praxis zur Verfügung stehen.

Die strukturierte Übertragung ärztlicher Leistungen an RFA wurde an 17 rheumatologischen Schwerpunktpraxen und Krankenhausambulanzen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden. Um dies effektiv erreichen zu können, wurden neue Strukturen und Prozesse in der Patientenbetreuung geschaffen. Die Versorgungsform ‚Delegation ärztlicher Leistungen an RFA’ wurde im Vergleich mit der aktuellen Standardversorgung an je 300 Personen evaluiert. Zielgrößen sind die Krankheitsaktivität und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Das vorliegende Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 2,1 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall erzielt die neue Versorgungsform bei den Patientinnen und Patienten eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität als die Standardversorgung bei vergleichbarer Krankheitsaktivität. Das Team der rheumatologischen Schwerpunktpraxis soll für Patientinnen und Patienten besser erreichbar werden. Die Übertragung von Dokumentations- und Beratungsaufgaben an die RFA soll die Qualität der Versorgung insgesamt verbessern.

Die Evaluation der Wirksamkeit der neuen Versorgungsform hinsichtlich der nicht Unterlegenheit bezüglich der Krankheitsaktivität und Verbesserung der Lebensqualität erfolgt im Rahmen einer randomisierten Studie.

Das AMIB war beteiligt an der Entwicklung des Studiendesigns und des Studienprotokolls. Das AMIB ist u.a. zuständig für die Randomisierung, das Datenmanagement, das Verfassen des statistischen Analyseplans, die Hauptauswertung der Studie, die Interpretation der Ergebnisse und Mitwirkung bei den Publikationen. Weiterhin ist das AMIB für Kommunikation und Terminvereinbarung mit den Prüfarztpraxen, Assessoren und Kliniken verantwortlich. Im Verlauf der Studie wurden mit Hilfe des AMIB Weiterbildungskurse für die RFAs angeboten.

Förderer: Gemeinsamer Bundesausschuss, Innovationsausschuss beim G-BA
Laufzeit: 2017 - 28.02.2021
Konsortialführung/ Projektleitung: Prof. Dr. med. Jürgen Braun, Rheumazentrum Ruhrgebiet, St. Elisabeth Gruppe GmbH, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität
Projektpartner: Philipps-Universität Marburg, BARMER

Ansprechpartner*innen AMIB: PD Dr. Dietmar Krause, Dr. Anna Mai, Renate Klaaßen-Mielke, Michelle Stein, Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch, Prof. Dr. Nina Timmesfeld

Publikationen:

Mai, A., Braun, J., Reese, J. P., Westerhoff, B., Trampisch, U., Klaassen-Mielke, R., et al. (2019). Nurse-led care versus physician-led care in the management of rheumatoid arthritis and psoriatic arthritis (StaerkeR): study protocol for a multi-center randomized controlled trial. BMC Trials, 20(1), 793.
Mai, A., Krause, D., & Braun, J. e. a. (2020). Ist eine Team-basierte rheumatologische Versorgung mit Delegation an die Fachassistenz der Standardversorgung ebenbürtig oder sogar überlegen? – Das StärkeR-Projekt. Z Rheumatol, 79, 52-54.